Wirecard

Massive Fälschungen aufgedeckt: Skandal immer größer

EY hat einem Brief die Verweigerung des Testats für die Jahresbilanz 2019 angekündigt

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Im Skandal um den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard kommen weitere Details zum umstrittenen Geschäft mit Drittpartner ins Asien ans Licht. Demnach zeigen sich nun auch Hinweise darauf, dass es schon vor dem Jahr 2019 zu erheblichen Unregelmäßigkeiten im Geschäft mit Drittpartnern in Asien gekommen sei, berichten Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR.

So stellten die Prüfer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die seit dem Jahr 2009 die Bilanzen von Wirecard geprüft und dabei stets ein uneingeschränktes Testat erteilt hat, Berichten der drei Medien zufolge mittlerweile fest, dass womöglich auch im Hinblick auf die Bilanz des Jahres 2018 Unterlagen gefälscht sein könnten. In der Konsequenz versage EY Wirecard nun endgültig den Jahresabschluss für 2019.

EY habe in einem Brief an Finanzvorstand Alexander von Knoop die Verweigerung des Testats für die Jahresbilanz 2019 angekündigt. Bis zum Abend hatte der Konzern keine Mitteilung zum Bericht von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung versandt. Bei einer endgültigen Versagung des Testats für die Jahresbilanz 2019 durch EY hätte Wirecard dies üblicherweise per Pflichtmitteilung mitteilen müssen.

Konkret geht es um Treuhandkonten, die Wirecard in Asien führen ließ, um dort das Geschäft mit lokalen Kunden abzusichern und vorzufinanzieren. Bisher standen dabei Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken im Zentrum des Skandals, mit einer Gesamtsumme von 1,9 Milliarden Euro.

Heute weiß man, dass es das Geld dort mit hoher Wahrscheinlichkeit nie gegeben hat, vorgelegte Belege als Fälschung identifiziert und verantwortliche Mitarbeiter entlassen wurden.

Bis Dezember 2019 wurden die Konten von Wirecard jedoch in Singapur beim Treuhänder Citadelle geführt. Zum Wechsel kam es, als die lokalen Behörden die Räumlichkeiten von Citadelle durchsuchten.

Nun haben die EY-Prüfer, die vor einem Jahr das uneingeschränkte Testat für das Geschäftsjahr 2018 bei Wirecard erteilt hatten, auch diese Vorgänge noch einmal überprüft. Die Untersuchung ergab auch dort erhebliche Zweifel – vor allem über ein Konto bei der Oversea-Chinese Banking Corporation in Singapur in Höhe von rund 980 Millionen Euro, das der Treuhänder damals angeblich bestätigt hatte.

Es kam deswegen Anfang vergangener Woche zur neuerlichen Rückfrage von EY beim Treuhänder. Der schrieb demnach nun: „Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass dies nicht mein Schreiben und der Briefkopf unserer Firma ist. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir solche Guthaben nicht halten, noch dies bestätigt haben.“

Darüber hinaus habe man das letzte Mal im März 2017 treuhänderisch für eine Wirecard-Firma gearbeitet. Der Vorgang gleicht damit dem auf den Philippinen, wo den Prüfern ebenfalls gefälschte Unterlagen vorgelegt wurden.

„Damit besteht der begründete Verdacht“, heißt es daher den Berichten zufolge in dem am Montagmorgen zugestellten Schreiben der EY-Prüfer an den noch dreiköpfigen Wirecard-Vorstand, „dass auch die uns vorliegenden Saldenbestätigungen des Treuhänders sowie die uns erteilten Auskünfte zu den Kontoständen zum 31. Dezember 2018 falsch waren“.

Als Konsequenz versagen demnach die Prüfer dem insolventen Zahlungsdienstleister endgültig das Testat für das Jahr 2019, das noch immer ausstand.

Fraglich ist, ob es große Teile des Geschäfts von Wirecard in Asien überhaupt gegeben hat. Das infrage gestellte Drittpartner-Geschäft werde geprüft, hatte der Konzern am Samstag erklärt: „Der neu eingesetzte CEO der Wirecard AG, James H. Freis, Jr., hat sofort mit Amtsantritt einen neuen Ansatz zur Aufklärung der bekannten Vorwürfe eingeleitet.“

Neben anderen Maßnahmen, die nicht näher erläutert wurden, seien neue Beraterfirmen beauftragt worden, „um die Neutralität und insbesondere Unabhängigkeit von den früheren Vorständen der Wirecard AG zu gewährleisten“.

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Finanzaufsicht soll Bilanzprüfung verschleppt haben

Die deutsche Finanzaufsicht wusste wohl schon Anfang 2019 von Unregelmäßigkeiten bei dem inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard. Auch einen Verdacht auf Bilanzmanipulationen soll es damals bereits gegeben haben, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") berichtet.