Börse

Nike schreibt 790 Millionen Dollar Verlust

Aus Solidarität hat das kalifornische Unternehmen seinen berühmten Slogan „Just Do It“ in einem Spot in „For once, don’t do it“ abgewandelt

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GERMAN PRESS GROUP

Der US-Sportartikelhersteller Nike hat in seinem vierten Quartal mit 6,3 Milliarden Dollar 38 Prozent weniger umgesetzt als im Jahr zuvor. Unterm Strich stand ein Verlust von 790 Millionen Dollar. Noch vor einem Jahr hatte Nike im gleichen Quartal 989 Millionen Dollar Gewinn geschrieben.

Die schlechte Entwicklung liegt vor allem daran, dass die meisten Läden zwischen März und Mai wegen der Coronakrise acht Wochen komplett geschlossen waren. Für die Investoren waren die Zahlen des Adidas-Konkurrenten dennoch eine herbe Enttäuschung. Sie hatten mit einer Milliarde Dollar mehr Umsatz und mit einem Gewinn gerechnet. Der Aktienkurs verlor im nachbörslichen Handel fast vier Prozent.

Nike konnte zwar im Online-Geschäft um 75 Prozent zulegen. Aber das reichte nicht aus, um den Einbruch in den physischen Geschäften auszugleichen. Im vierten Quartal machte das Online-Geschäft laut Nike 30 Prozent des Umsatzes aus.

Vor drei Monaten hatte sich der Präsident und CEO John Donahoe noch recht optimistisch geäußert, dass Nike die Erfahrung in China als Drehbuch für andere Märkte nutzen wollte. In der Praxis hieß das vor allem, verstärkt auf die digitalen Kanäle und auf Fitness zuhause zu setzen.

Zuletzt hatte Nike auch wegen der Proteste nach der Tötung von George Floyd durch die Polizei im Mittelpunkt gestanden. Aus Solidarität hat das kalifornische Unternehmen seinen berühmten Slogan „Just Do It“ in einem Spot in „For once, don’t do it“ abgewandelt. Darin ruft der Schuhkonzern die Menschen auf, diesmal nicht so zu tun, als gebe es keinen Rassismus.

Nach Ansicht des Analysten Sole hat Nike mit der Kampagne die Herzen vieler Menschen gewonnen. Die Wirtschaftsprofessorin Ella Bell Smith vom renommierten Dartmouth College wies jedoch jüngst darauf hin, dass solche Kampagnen auch Kalkül seien. „Sie wissen schließlich auch, wer ihre Kunden sind. Wer trägt denn Nike? Das sind die Schwarzen“, sagt sie.

Mehr als kurzfristige Kampagnen interessiert Smith, ob sich auch die Unternehmenskultur ändert und Nike auch mehr schwarze Manager einstellt und nicht nur schwarze Werbeträger engagiert: „Wo stehen sie in drei Jahren ? Hat sich ihre Kultur dann geändert ? Das Gedächtnis der Unternehmen ist leider oft sehr kurz“, mahnt sie.