Virgin Atlantic / Virgin Galactic

Richard Branson zittert um sein Luft- und Raumfahrtreich

Richard Branson: "Verlust machende und ineffiziente Gesellschaften sollte man gegen die Wand fahren lassen"

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EUROPEAN PRESS GROUP

Richard Branson Flehen um Staatshilfe für Virgin Atlantic blieb unerhört. Um die Airline zu retten, wirft der Milliardär sich einem Hedgefonds in die Arme - und opfert die Kontrolle über sein Raumfahrtunternehmen.

So etwas bezeichnet man wohl als den sprichwörtlichen Biss in den sauren Apfel: Milliardär und Multiunternehmer Richard Branson (69) bat noch vor wenigen Wochen vergeblich um Staatshilfe für seine von der Corona-Krise schwer getroffene Airline Virgin Atlantic. Doch der britische Staat verwehrte dem schillernden Unternehmer diese Unterstützung.

So muss sich Branson nun Geldgeber ins Haus holen, die er womöglich lieber draußen gelassen hätte. Immerhin: Seine Airline hat er damit vorerst vor dem Untergang gerettet - und seinem gesamten Unternehmenskonglomerat, das aus Dutzenden Firmen besteht, wohl etwas Luft zum Atmen verschafft.

Die Einzelheiten des Rettungspakets, das Branson für Virgin Atlantic unter Dach und Fach brachte und dem die Aktionäre bereits mehrheitlich zugestimmt haben, sehen so aus: Insgesamt hat sich die Airline bei ihren Eignern und Geldgebern Zusagen über 1,2 Milliarden Pfund (1,3 Milliarden Euro) gesichert, um die Corona-Krise zu überstehen.

Dabei steuert die Virgin Group des Firmengründers Branson ein Drittel von insgesamt 600 Millionen Pfund an frischem Kapital bei.

Die Investmentgesellschaft - der Hedgefonds - Davidson Kempner Capital Management schießt 170 Millionen Pfund zu. Zeitweise soll auch der aggressive Investor Elliott Capital mitgeboten, aber für Branson noch härtere Bedingungen verlangt haben als Davidson Kempner. Außerdem werden Kredite über 450 Millionen Pfund gestundet.

Am Ende soll die Virgin Group laut "Wall Street Journal" weiterhin mit 51 Prozent die Mehrheit an Virgin Atlantic halten. Beim US-Partner von Virgin, Delta Air Lines, verbleiben demnach 49 Prozent.

Beide Partner verzichten künftig darauf, von der Airline Lizenzgebühren beispielsweise für die Virgin-Markenrechte oder die Nutzung des Delta-Buchungsportals zu kassieren.

So kann es also weitergehen für Virgin Atlantic, das mit seinen etwa 40 zum Großteil geleasten Maschinen vor allem auf Langstreckenflüge spezialisiert ist. Momentan seien die Virgin-Jets Corona-bedingt noch auf dem Boden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Jedoch sind wieder Flüge von London in die USA und nach Hongkong geplant.

Für Mehrheitseigner Richard Branson sind das endlich wieder gute Nachrichten. Der britische Multimilliardär, der an diesem Samstag 70 Jahre alt wird, hatte zuletzt überwiegend für Negativschlagzeilen gesorgt.

Im April bat Branson in Folge der Corona-Krise um staatliche Hilfe für seine Airline, die er bislang als "zweiten Flag Carrier" neben British Airways etablieren wollte. Das brachte ihm in seiner Heimat Kritik und Spott ein.

Nicht genug damit, dass Milliardär Branson mit seiner zweiten Frau Joan und zwei Kindern auf der Karibikinsel Necker, die zu der Steueroase Britische Jungferninseln gehört, ein augenscheinlich zumindest sorgloses Leben führt, zu dem der Ruf nach Staatshilfe kaum zu passen scheint.

Branson hatte die Insel einst gekauft und über die Jahre immer wieder prominente Gäste wie den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama dorthin eingeladen.

Die Ablehnung gegen seinen Hilferuf wurde zudem auch befördert, weil sich Branson rund zehn Jahre vorher, als der Virgin-Konkurrent British Airways in der Krise steckte, noch deutlich gegen Staatshilfen für Unternehmen ausgesprochen hatte.

"Verlust machende und ineffiziente Gesellschaften sollte man gegen die Wand fahren lassen", sagte er damals.

Kritiker hielten ihm nun vor, dass Virgin Atlantic schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie Verluste eingefahren habe - und Branson mit einem Privatvermögen von immer noch mehr als vier Milliarden Dollar nicht unbedingt hilfsbedürftig sei.

2018 musste der britische Staat die Bahngesellschaft East Coast auffangen, an der Virgin bis dahin beteiligt war, die jahrelang öffentliche Zuschüsse kassiert, ihr Kapital aber aufgezehrt hatte.

So blitzte Branson mit seiner Bitte ab. Fast alle anderen britischen Fluggesellschaften, auch die irische Ryanair, wurden mit einem Corona-Anleihenkaufprogramm der Bank of England gestützt - Virgin Atlantic nicht.

Nun wird Branson die öffentliche Hand also vorerst nicht benötigen. Doch zur Rettung des Unternehmens sind auch schmerzhafte Schritte nötig: Mehr als 3.500 Arbeitsplätze wurden gestrichen, Flugzeugbestellungen verschoben.

Eine Viertelmilliarde habe er bereits selbst beigesteuert, schrieb Branson in einem offenen Brief an das Virgin-Personal und verwies darauf, dass sein Privatvermögen auf dem Wert der Virgin-Unternehmungen vor der Krise beruhe: "Das ist kein Geld, was ich von einer Bank abheben kann."

Branson will nun Anteile an seinem Raumfahrt-Unternehmen Virgin Galactic verkaufen, obwohl er damit die Mehrheit an der Firma verliert. Ein bemerkenswerter Schritt.

Denn Virgin Galactic ist eine absolute Herzensangelegenheit für den Briten, der sich gern als großer Abenteurer und Visionär präsentiert, in dem aber viele eher einen großspurigen Selbstdarsteller sehen.

Tatsächlich trifft wohl beides auf den Unternehmer zu, der mehr als 400 Firmen gegründet haben soll.