Ernst & Young

"Täuschung" bei Wircard: Aktie stürzt ab

Angebliche Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro können nicht belegt werden

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GERMAN PRESS GROUP

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat seinen lange erwarteten Jahresabschluss zum vierten Mal verschoben. Es gibt milliardenschwere Unklarheiten in der Bilanz, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Aschheim bei München mitteilte. Die Aktie brach daraufhin um bis zu 66 Prozent ein auf 35 Euro und war zeitweise vom Handel ausgesetzt. Zuletzt lag das Minus bei rund 40 Prozent.

Die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) habe das Unternehmen darüber informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen, teilte Wirecard mit. Die Summe entspricht etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme.

In der Mitteilung heißt es, es bestünden Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder beziehungsweise aus dem Bereich der Banken, welche die Treuhandkonten führten, unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt worden sein, damit dieser ein unrichtiges Vorstellungsbild über das Vorhandensein der Bankguthaben beziehungsweise die Führung von Bankkonten zugunsten der Wirecard-Gesellschaften erhalten habe.

„Frühere erteilte Bestätigungen der Banken wurden vom Wirtschaftsprüfer nicht mehr anerkannt“, erklärte Firmenchef Markus Braun in einer weiteren Mitteilung. „Alle Beteiligten sind um schnellstmögliche Aufklärung bemüht. Ob betrügerische Vorgänge zum Nachteil der Wirecard AG vorliegen, ist derzeit unklar. Die Wirecard AG wird Anzeige gegen unbekannt erstatten.“

Tochtergesellschaften der Wirecard hätten laut Braun auf Treuhandkonten Sicherheitsleistungen von insgesamt 1,9 Milliarden Euro eingezahlt, um für das Risikomanagement für teilnehmende Händler zu garantieren. Es handele sich um zwei asiatische Banken.

Ein neuer Termin für die Vorlage des Jahresabschlusses 2019 gab das Unternehmen noch nicht bekannt. Dadurch könnte Wirecard nun Probleme mit Darlehen bekommen: Solange ein testierter Jahres- und Konzernabschluss nicht bis zum 19. Juni vorgelegt werde, könnten Wirecard Kredite in Höhe von circa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, erklärte der Konzern.

Im Februar hatte das Unternehmen noch bei der Vorstellung der vorläufigen Bilanzzahlen angekündigt, dass der Jahresumsatz im Jahr um 38 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen sei, während das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 40 Prozent auf 785 Millionen Euro gestiegen sei. Abschließend hatte Wirecard seinen Jahresabschluss aber drei Mal verschoben.

Im vergangenen Monat hatte Wirecard gesagt, dass die jüngste Verzögerung bei der Veröffentlichung der Ergebnisse darauf zurückzuführen sei, dass EY mehr Zeit benötigte, um die Überprüfung abzuschließen. Die Prüfer hätten im Rahmen ihrer Arbeit aber nichts Wesentliches gefunden.

Bereits bei einer Sonderprüfung von KPMG waren für die Prüfer zuletzt viele Fragen offen geblieben. Sie konnten und wollten Wirecard nach monatelanger Prüfung an entscheidenden Stellen weder in Summe Unbedenklichkeit bescheinigen, noch attestierten sie rundweg Fehlverhalten. Aktivistische Investoren wieder der britischen Fondsmanager Chris Hohn fordern seitdem den Rücktritt von CEO Braun.

Wirecard sieht sich seit Jahren in Medienberichten Vorwürfen der Bilanzfälschung ausgesetzt, hatte diese jedoch bislang immer bestritten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt darüber hinaus gegen Firmenchef Markus Braun und die drei anderen Vorstände wegen des Verdachts auf Marktmanipulation.

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